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Bénin No. 4

Neues von Antonia aus Bénin

(...) Für deutsche Kinder doch teilweise unvorstellbar. Da gibt einem keiner gerne was von seinen Süßigkeiten ab. Auch unter Geschwistern muss bei uns immer danach gefragt werden, wenn man sich etwas leiht. Hier ist das eine Selbstverständlichkeit (...) Klicken um den aktuellen Bericht zu lesen

Liebe Gemeinde,

viel Zeit ist vergangen, seit ich in mein Gastland Benin gereist bin. Mittlerweile zähle ich nicht mehr die Zeit, die ich schon hier bin, sondern die Monate und Wochen, die mir noch bleiben. Jetzt noch 2,5 Monate. Meine Vorfreude wächst mit jedem Tag aber mit ihr wächst auch die Angst vor dem Tag des Abschiedes.

 

Wünsche der Kinder

Meine Mitfreiwillige und ich sind mittlerweile wie Schwestern oder beste Freundinnen zusammengewachsen. In den vergangenen Monaten hatten wir beide Teile unserer Familie zu Gast, haben selber ein wenig mehr unsere Nachbarländer Togo und Ghana erkundigt und vor Allem viel überlegt und geplant.

Dank eines Spendenüberschusses meiner Mitfreiwilligen machen wir uns momentan daran Projektideen zu sammeln, was wir in der nächsten Zeit mit den Kindern machen können. Einer der Hauptthemen, selbst von den Kindern gewählt, ist Essen. Sie wünschen sich auch mal mit uns zu kochen. Die Ernährung der Kinder ist aus finanziellen Gründen sehr einseitig und nicht ganz ausgewogen. Meistens gibt es Reis oder Pâte (festgekochter Maisbrei) mit Soße. Nur zu besonderen Anlässen gibt es auch mal Fleisch oder Fisch. Wir wollen uns zur Aufgabe machen nicht nur immer mal in Abständen etwas anderes (beninisches) zu kochen, sondern wollen auch einmal gemeinsam etwas deutsches mit den Kindern kochen. Wir sind sehr gespannt, wie es ankommen wird.

Außerdem wollen wir Tagesaktionen machen, wie Kinderschminken, noch einmal große Seifenblasen oder Ähnliches.

 

Faszination des Teilens

Die Kinder sind mir die letzten Monate noch inniger ans Herz gewachsen. Im Alltag mit so vielen Kindern lernt man doch immer wieder etwas dazu.

Eine Faszination ist für mich immer noch das bedingungslose teilen dieser Kultur. Bei uns heißt es immer deins und meins. Klar, alles gehört immer irgendjemanden, aber von Kleidung bis Essen und Kosmetikartikeln wird wirklich alles geteilt. Für deutsche Kinder doch teilweise unvorstellbar. Da gibt einem keiner gerne was von seinen Süßigkeiten ab. Auch unter Geschwistern muss bei uns immer danach gefragt werden, wenn man sich etwas leiht. Hier ist das eine Selbstverständlichkeit, von der man meiner Meinung nach sehr viel lernen kann. Es ist ein viel weniger materielles Leben. Auch, wenn man sehr viel besitzt, geht es nicht um den Besitz selbst.

 

‚Assembles de Dieu‘

Zum Thema Kirche habe ich noch nicht viel gesagt, was einfach daran liegt, dass es für mich den gesellschaftlichen Unterschied doch noch einmal sehr stark verdeutlicht.

Der Waisenhausleiter und gleichzeitig Gastvater ist Pastor der ‚Assembles de Dieu‘ unseres Dorfes.

Die ‚Assembles de Dieu‘ ist eine Freikirche, die international gerade in den USA unter ‚Assemblies of God‘ tätig ist.

Die Gottesdienste hier sind viel lauter, bunter und weit aus besuchter als bei uns.

Zum lauter: Es wird viel mehr gesungen aber eben auch laut gebetet. Eine Tatsache, die mich irgendwie oft zurückschreckt. Es ist einfach eine ganz andere Art des Glaubens. Bei uns ist der Glaube etwas sehr persönliches, während die Beziehung zwischen des Einzelnen zu Gott offen ausgelebt wird.

Zum bunter: Die Farbe machen nicht nur die afrikanischen Kleider aus, sondern eben auch die Gestaltung. Während ein Lied nicht einfach runter gesungen wird, wird eben auch manchmal dazu getanzt. Keiner schämt sich und es ist einfach sehr locker. Die Lieder dauern auch nicht einfach 5 Minuten sondern auch mal bis zu 20 Minuten oder länger. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Gottesdienst zwei Stunden oder auch mal länger dauert.

Zum ‚weit aus besuchter‘: Der Pastor ist in erster Linie für die Predigt verantwortlich, der Rest des Gottesdienstes wird von anderen Mitgliedern der Gemeinde gestaltet. Nur ab und zu hält der Pastor auch andere Teile des Gottesdienstes oder macht Ansprachen. Dadurch sind schon einmal wesentlich mehr Leute an der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligt. Außerdem gibt es eine sehr aktive Jugend, einen Jugendchor und einen Erwachsenenchor. Diese machen schon einmal fast ein Viertel der Kirchenbesucher aus. Die beiden Chöre ergänzen sich perfekt. Während die Jugend auf Französisch singt, singen die Älteren auf der lokalen Sprache ‚Fon‘. Der Rest der Gemeinde nimmt durch das Tanzen, Mitsingen von Liedern, die nirgendwo aufgeschrieben sind und somit einfach gekonnt werden, und das laute Beten also aktiv am Gottesdienst teil.

Weiterhin suche ich händeringend nach Spenden, da mir noch ein höherer Betrag für meine Arbeit hier fehlt. Das Ziel eines Spendenüberschusses wäre natürlich toll, da wir somit mehr Möglichkeiten für die Umsetzung unserer gesammelten Projektideen hätten.

Das war es wieder einmal von mir.

Liebe Grüße aus Benin

Antonia

 

 

 


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