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Der Christ, der keiner sein darf

Der Christ, der keiner sein darf

Ein Bericht über unser iranisches Gemeindeglied Sina Mirzaee, dem ein deutsches Gericht bescheinigt, er sei kein Christ

 

Wer ab und zu unseren Gottesdienst besucht, kennt ihn schon: Sina Mirzaee. Gemeinsam mit seinem Bruder Sasan, dem Cousin Hamid und dem iranischen Freund Milat findet er meist hinten in der Kirche einen Platz. Am Pfingstmontag allerdings, stand er ganz vorne am Ambo von St. Ferrutius und trug die Pfingstgeschichte vor – in seiner Muttersprache, auf Persisch. Sina Mirzaee stammt aus dem Iran und ist ein konvertierter Christ. Im Iran fand er Zugang zum christlichen Glauben und besuchte eine Hauskirche. Dies musste im Geheimen geschehen, da die Konversion zum Christentum im Iran verboten ist und im schlimmsten Fall mit dem Tode bestraft werden kann. Sina entschloss sich daher, gemeinsam mit seinem Bruder, seinem Cousin und seinem Onkel, die Heimat zu verlassen. Das war kein leichter Schritt: Er ließ die Eltern zurück, das Studium im Fach „Industriedesign“ musste er abbrechen. Der Grund: Er wollte seinen Glauben in Freiheit leben können, ohne Angst zu haben, dass er entdeckt wird. Sina war froh und glücklich, als er 2016 in Deutschland ankam. Zunächst lebte er in Kronberg. Dort absolvierte er den Taufunterricht. Schließlich wurde er im Herbst 2016 in der Evangelischen Kirchengemeinde Kronberg getauft. Seit Januar 2017 wohnt er in der Flüchtlingsunterkunft in der Kurt-Schumacher-Straße. Wer am Gründonnerstag im Gottesdienst war, konnte die leckeren persischen Pfannkuchen („Kaka“) genießen. Und im Juni letzten Jahres hat Sina mit seinen Freunden am Alten Bahnhof gegrillt und einige Menschen aus der Gemeinde dazu eingeladen. Beruflich ist Sina auf einem guten Weg: Er will KFZ-Mechatroniker werden. In einer Werkstatt in Mainz hat gerade seine Einstiegsqualifikation begonnen. Wenn alles gut, geht, fängt er im nächsten Jahr mit seiner Ausbildung an. In Deutschland gefällt ihm vor allem die Freiheit, seinen Glauben leben zu können. Aber auch die unterschiedlichen Jahreszeiten mag er – und natürlich seine brasilianische Freundin Natascha, die schon seit vielen Jahren in Wiesbaden lebt. Nun brechen allerdings schwere Zeiten für Sina an. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat seinen Asylantrag abgelehnt. Dies wurde vom Verwaltungsgericht in Wiesbaden bestätigt. Der Richter stellt in seinem Urteil fest, dass Sina kein christlicher Konvertit ist und begründet dies damit, dass er sich nicht mehr an alle Einzelheiten der iranischen Hauskirche erinnern kann. Aus meiner Sicht eine unverständliche Entscheidung. Sina möchte Christ sein, darf es aber nicht. Wir hoffen und beten und tun alles dafür, dass Sina bei uns bleiben kann. Eine Rückkehr in den Iran könnte sehr gefährlich für ihn werden.


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