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Gemeindetag

95 Hammerschläge zum Reformationsjubiläum - VOLLVERSION!

Hammerschläge schallen durch die Kirche. Langsam versinkt der Nagel im Holz der Kirchentür und mit einem letzten Schlag hat die These ihren Platz an der Tür gefunden. Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Kirchenvorsteher, Senioren und viele mehr lassen ihre Thesen im Kirchraum erschallen. Im Altarraum steht ein großes Baustellenschild und daneben türmen sich Bausteine, die von Kindern herangetragen werden. ... Klicken um weiter zu lesen...

Hammerschläge schallen durch die Kirche. Langsam versinkt der Nagel im Holz der Kirchentür und mit einem letzten Schlag hat die These ihren Platz an der Tür gefunden. Kinder, Jugendliche, Konfirmanden, junge Erwachsene, Kirchenvorsteher, Senioren und viele mehr lassen ihre Thesen im Kirchraum erschallen. Im Altarraum steht ein großes Baustellenschild und daneben türmen sich Bausteine, die von Kindern herangetragen werden.

Es ist Reformationstag. Viel mehr noch die evangelische Kirchengemeinde Bleidenstadt feiert das Reformationsjubiläum am 31.10.2017 mit einem gigantischen Festgottesdienst, der einem Feuerwerk von Ideen entsprungen zu sein scheint. 500 Jahre Luther werden gefeiert. Und der Gottesdienst erinnert daran, dass die Reformation immer ein Leben mit einem Blick zurück auf die Vergangenheit, ein Leben in der Gegenwart und ein träumen für die Zukunft ist.

Der Festgottesdienst wurde mit einer Fanfare des Posaunenchors eröffnete und zeigte von Beginn an, dass dieser Gottesdienst auch für die Pfarrer eine logistische Meisterleistung war, noch nie haben in dieser Gemeinde so viele Gruppen an einem Gottesdienst teilgenommen. Eröffnet wurde der Gottesdienst von Mitgliedern der Gemeinde, von Konfis und den beiden Pfarrern. Die Konfirmanden des hiesigen Jahrgangs machten schnell der Gemeinde klar, dass viele Wörter für die heutige Jugend unverständlich sind. Die Reaktion? Eine Veränderung der These indem man die Sprache in die heutige Zeit brachte. Und wieder schlug der Hammer gegen die Thesentür, die anlässlich des Reformationsjubiläums in der Kirche aufgestellt worden war und den Gemeindemitgliedern über Wochen hinweg und am Reformationstag die Möglichkeit gab, ihre Thesen und Anliegen an die Thesentür zu nageln.

Und weiter ging es im Gottesdienst: Der Kirchenchor sang der Gemeinde das Lied der Reformation „Ein feste Burg“, die Jugendband unterstütze die Gemeinde ebenso bei ihren Liedern wie der Posaunenchor. Bei den liturgischen Teilen des Gottesdienstes schien die ganze Kirche mit den Stimmen der anwesenden Gemeinde erfüllt zu sein, die so zahlreich erschienen war, dass man auch in anderen Gemeinden im Internet davon spricht, dass Weihnachten und Ostern dieses Jahr auf einen Tag gefallen sind.

Das Highlight dieses Gottesdienstes war, so wird man mir hoffentlich zustimmen können, nicht zu bestimmen. Ein Gottesdienst der über 100min geht von dem würde man vermutlich, wie nach einem Kinofilm, behaupten: Dieser Teil war meine Lieblingsszene! Aber nein nicht in diesem Gottesdienst, denn nachdem der Eingangsteil schon lebendig durch die Gemeinde gezogen war, kamen die Pfarrer gemeinsam zum Kernpunkt des protestantischen Gottesdienstes nach vorne, ich spreche hier natürlich von der Predigt. Aber nach dem Gottesdienst wird sich vermutlich kein Konfirmand an eine Predigt erinnern, nicht weil er, wie er es so oft tut und während der Predigt schläft, nein dieses Mal war irgendwie alles anders. Die Pfarrer, Pfarrerin Esther Kutscher-Döring und Pfarrer Christian Albers, sprachen miteinander und sprachen während ihrer Predigt mit der Gemeinde. Immer wieder kamen einzelne Gemeindemitglieder nach vorne um ihre Thesen und ihre Anliegen auszusprechen und an die Tür zu hämmern. – Sollte ich mich nicht verzählt haben, so waren im gesamten Gottesdienst insgesamt 95 Hammerschläge zu hören! Ob das ein Zufall war? – Einzelne Bausteine mit den Anliegen der Gemeindemitglieder wurden nach vorne getragen: Ökumene, Mitsprache, eine moderne Übersetzung, Akzeptanz, Gnade, ein lebendiger Gottesdienst, Kinder in der Kirche, Orientierung, Nachfolge und viele mehr…

Nachdem Kinder, Jugendliche und Konfirmanden aus den Bausteinen eine Kirche geformt hatten, die aufzeigte, dass Kirche immer eine Baustelle sein wird und deren Entwicklung auch immer in den Händen der Gemeinde liegt. Denn eine Gemeinde ist nur dann vollkommen, wenn ein jeder mit anpackt und so sang die Jugendband „The Box“ ihr selbstgeschriebenes Stück „Vollkommen“ im Anklang an die Predigt.

Was soll sich ändern, was soll bleiben und was wünschen wir uns? Das waren die Kernpunkte der Thesen gewesen und einer dieser Punkte war der Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl mit den katholischen Schwestern und Brüdern. An diesem Tag war die katholische Gemeinde aus St. Ferrutius in Bleidenstadt herzlich zu unserem Gemeindetag eingeladen worden und so feierte man zusammen, wie es bei uns im evangelischen Gottesdienst üblich ist, Abendmahl, denn bei uns sind immer alle willkommen und eingeladen!

Am Ende des Gottesdienstes wurden viele Namen und Gruppen genannt, die diesen Tag ermöglicht haben, aber ebenso wurde erwähnt, dass gar nicht alle genannt werden können, die an diesem Tag mitgearbeitet haben. Auch stellten sich die Pfarrer die Frage, dass es doch schön wäre öfters solche Gottesdienste zu feiern, wenn dem auch entgegentrat, dass es doch einigen Aufwand benötigt solche Gottesdienste jeden Sonntag zu feiern.

Aber was bleibt von so einem Gottesdienst und so einem Jahr? Die Thesentür wird für die Arbeit in der Gemeinde weiterverwendet werden und wird auch noch eine Weile in der Kirche zu sehen sein. Auch neue Ideen haben sich in diesem Jahr bereits etabliert: Konfis forderten unter anderem neuere Übersetzungen im Gottesdienst, so waren am Tag selbst die Basisbibel zu hören, aber auch in der Vergangenheit hörten wir andere Übersetzungen als die Luther Bibel, so unter anderem die Volxbibel und die Gute Nachricht. Socialmedia hat die Kirche betreten und auch der Gemeindetag wurde von unseren Jugendlichen auf Instagram geteilt und der Gottesdienst war im Livestream zu begutachten. Eine Forderung unserer Konfirmanden bei der Thesenerstellung am Dekanatskonfitag in diesem Jahr: Unsere Kirchengemeinde muss in den Socialmedia mehr vertreten sein. Seitdem findet man unsere Gemeinde nicht nur auf unserer Internetseite und auf Facebook, nein mittlerweile auch auf Instagram und Snapchat. (Den Festgottesdienst können Sie nun in Auszügen noch einmal auf unserer Facebookseite genießen.)

 

Nach dem Gottesdienst sollte dieser besondere Tag noch nicht sein Ende gefunden haben, es ging weiter im Gemeindesaal der Gemeinde. Dieser war im mittelalterlichen Stil dekoriert und lud einen jeden zum Sitzen und Austauschen ein. Viele Ehrenamtliche und Kirchenvorsteher hatten sich zusammengefunden, um die Gäste im mittelalterlichen Stil zu bekochen. Das Ergebnis ließ sich mehr als sehen: Als Hauptspeise wurde eine mittelalterliche Krautpfanne gereicht, die aufzeigte, dass das Leben im Mittelalter gar nicht so schlecht gewesen sein muss. Im Anschluss daran wurde noch ein vorzüglicher Birnenpudding serviert, der die Geschmacksknospen neue Sphären erreichen lies. (Wenn Sie Interesse an den Rezepten haben schauen Sie auf unserer Internetseite vorbei!)

Während sich noch das Essen setzte, kam es zum nächsten Highlight an diesem Tag: Die Präsentation der Bleischter Gemeindebibel! Über 80 Gemeindemitglieder haben sich an ihrem Inhalt beteiligt. Und das Ergebnis lässt sich auch wirklich sehen: Die Fülle der verschiedenen Textstellen, ohne nennenswerte Doppelungen; die Kreativität von Bildern über Gedichte bis hin zu kaligraphischen Zeichnungen, ist wirklich alles dabei und zeigt gleichzeitig noch einmal wie vielseitig unsere Gemeinde ist. Der Inhalt dient nun unseren Pfarrern ab dem nächsten Jahr mit den zentralen Bibelstellen aus unser Bleischter Gemeindebibel auch als Predigttexte im Gottesdienst zu verwenden. Und als gut gelungene Überraschung ist es einem jeden möglich die Bleischter Gemeindebibel sich auch zu Hause hinzustellen, wenn auch nur als Kopie, aber doch eine schöne Sache! (Wer eine haben möchte, muss sich nur im Gemeindebüro melden!)

 

Den Abschluss des Tages bildete das Duo „Federkiel und Harfenklang“. Mit Liedern zur Harfe aus mittelalterlicher Zeit und kleinen Texten und Lesungen aus der Zeit Luthers wurde ein Jeder in die Zeit Martin Luthers mitgenommen und hörte sowohl Vergnügliches als auch Nachdenkliches, das den Raum teilweise sehr leise werden ließ. Zum Schluss hieß es dann auf Wiedersehen, aber hoffentlich nicht erst in 500 Jahren!

 

 

 

(Ein Bericht von Robin Jonas.)

 


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